Im Hier und Jetzt zu leben

ist meist leichter gesagt als getan.  Ganz oft bemerken wir überhaupt nicht, was in uns für Gedankenketten ablaufen. Das sind Momente, in denen wir oft nichts von der Gegenwart mitbekommen. 

Wenn an einem Tag so richtig viel “los” ist, oder schwierige Aufgaben anstehen, kann es sein, dass du dich gleichzeitig mit deinen Einkäufen, schwierigen Aufgaben, deiner Freundin, einem Handwerker und deinem Auto auseinandersetzt. Wenn etwas Außergewöhnliches passiert, ein Verwandter ist sehr krank geworden, wirst du aus deinem Trott gerissen. Dann erst machst du dir Gedanken um die Vergangenheit oder der Zukunft.

Bewahre niemals etwas für einen besonderen Anlass auf. Streiche Worte wie “irgendwann” und “eines Tages” aus deinem Wortschatz.

Mir selbst ist das erst so richtig bewusst geworden, als mein Vater auf einen Spaziergang gegangen ist und auf diesem einen Sekundentot hatte. Zuvor war er noch bei mir und hat für seine Enkelkinder Feuerwerkskörper abgegeben. Wir waren mitten in den Vorbereitungen für das Neue Jahr, in das wir gemeinsam hineinfeiern wollten. Dann ging er mit einem Freund auf einen Spaziergang. Zu dem Zeitpunkt war er 64 und nichts deutete darauf hin, dass dies der letzte Moment war, an dem wir miteinander geredet haben. Seine Traumreise nach China war gebucht, zu spät. Nach diesem Erlebnis habe ich mir vorgenommen, immer im Jetzt zu leben. Niemals im Streit auseinander zu gehen, vor allem mit mir wichtigen Menschen.

Doch, es funktioniert nicht immer. Ehe “man” sich versieht befindet “man” sich wieder in einem Trott. Tausend Dinge kommen ins Leben – und damit auch ebenso viele Ausreden, Geschichten, die “man” sich erzählt. Es klappt nicht immer, manchmal vergisst “man” sich völlig, ist nur noch getrieben.

Was hindert uns daran, im Hier und Jetzt zu Leben? Hier gibt es mehrere Antworten: Hohe Ansprüche an uns selbst und der Glaube, uns erst etwas gönnen zu dürfen, wenn alles perfekt erledigt ist. Oder wir glauben, etwas erst verdient zu haben, wenn dieses und jenes eingetroffen ist. Angst, sich falsch zu entscheiden, Angst vor Ungewissem und der Zukunft. Wir haben Bedürfnisse, erlauben uns aber oft nicht, diese in diesem Moment zu zulassen. Ständig sind wir mit Plänen und Pflichten beschäftigt.

Im Hier und Jetzt können wir Glücksgefühle, Gelassenheit, innere Harmonie empfinden. Wir vergleichen und bewerten uns nicht.

Wenn du im reiferen Alter bist: wie viele Dinge hast du dir erfüllt? Wie viele deiner Träume und Wünsche hast du umgesetzt? Oder waren da die Gedanken, wenn ich dieses und jenes gemacht habe, dann erst kann ich mir XY erlauben?

Wie kannst du nun im Hier und Jetzt sein?

Schaue spielenden Kindern zu. Sie leben noch den Augenblick. Vielleicht kannst du dich erinnern: wie du auf einer Wiese gesessen bist, und traumverloren einem Käfer oder einer Biene zugesehen hast. Zeit hat keine Rolle gespielt. Du hast ein Bild gemalt oder mit Lego eine Burg gebaut, mit Puppen gespielt. Da warst du vollkommen versunken in dein Tun. Die Außenwelt war gar nicht mehr vorhanden. Deshalb hast du auch nicht gehört, wenn dich jemand gerufen oder angesprochen hat. Du warst vollkommen im Hier und Jetzt.

Und was kannst du tun, wenn du zu viele Gedanken in deinem Kopf hast, du ständig in der Vergangenheit bist, überwältigt wirst von traurigen und negativen Erlebnissen und Gedanken? Oder in die Zukunft gehst, die dir Angst macht, du Panik bekommst?

Beobachte die Wolken, den Wind. Blätter, die sich verfärben. Spüre in dich hinein: wie fühlt es sich an, wenn du mit deinen Füßen auf dem Boden stehst? Wie, wenn du auf einem Stuhl sitzt: spürst du die Stuhllehne in deinem Rücken, die Sitzfläche? Wo spürst du Wärme und wo Kälte? Wo Anspannung? Welche Geräusche hörst du: Vogelgezwitscher, den Wind, Hundegebell. Spürst du deinen Atem? Hörst du deine innere Stimme? Erinnere dich an dieses völlige Versinken in ein Spiel oder anderen Beobachtungen, die du als Kind wahrgenommen hast.

Gehe in eine Meditation. Mach eine Atemübung – ganz bewusst, gemütlich sitzend oder auf einem Spaziergang. Konzentriere dich vollkommen auf deinen Atem, wie er gleichmäßig aus- und einfließt. Atme negative Gedanken aus – loslassen und gehen – atme  Liebe und Harmonie ein. Dein Körper wird sich entspannen, die Muskulatur wird weicher, dein Gang wird aufrechter, der Blutdruck senkst sich, ein angenehmes Körpergefühl breitet sich aus. So fühlt sich Leichtigkeit im Hier und Jetzt an.